Sommer leben!

Tue, 26 Jul 2022 15:35:57 +0000 von w s

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Liebe Leserin, lieber Leser,

nach zwei Corona-Sommern juckt so manchen das Fernweh, und er fliegt um die halbe Welt, die andere streckt noch einmal zu Hause alle Viere von sich und der dritte stürzt sich in das Abenteuer fremder oder vergangener Kulturen: Der Sommer ist da und für viele von uns (endlich!) die Zeit des Urlaubs.

Endlich rauskommen aus dem (Corona-)Trott, den Zwängen und den Sorgen des Alltags, rauskommen aus den Bildern, die uns schrecken, Abstand finden, Sonne auf der Haut und im Herzen, etwas anderes sehen – und vielleicht, hoffentlich, auch mal ein bisschen anders sein.

Aber was tun, wenn das Wetter nicht mitspielt, das Quartier nur mäßig ist, die Nachbarn auf dem Campingplatz einem auf die Nerven gehen und die Familie nicht harmonischer ist als zu Hause?

Ich denke, nicht unbedingt der reibungsfreie Ablauf oder die Aneinanderreihung von Höhepunkten lassen den Urlaub zu einer gelungenen Zeit werden.

Für mich ist der Urlaub eine Chance, einfach da zu sein, sein zu dürfen im Hier und Jetzt, den Tag auf mich zukommen zu lassen – und, das ist mir neu deutlich geworden, wie wenig selbstverständlich das ist. „Nicht, was du schaffst, macht den Wert deines Lebens aus; es genügt, dass du da bist.“ Diesen Satz habe ich vor einiger Zeit einmal gelesen. Und nun kommt er mir wieder in den Sinn. Es scheint ein so einfacher Satz zu sein – aber er steht im Widerspruch zu vielen Erfahrungen und Anforderungen meines Alltags. Und doch steckt für mich darin auch eine tiefe Wahrheit über unser Leben.

Unsere Väter und Mütter im Glauben haben das mit dem Begriff der „Rechtfertigung im Glauben“ ausgedrückt: Vor Gott darf ich einfach sein, ohne Druck und Leistungsnachweis. Ich darf sein, wie ich bin – und manchmal auch noch ganz anders! Ich darf mich – trotz aller Aufgaben und Sorgen – des Lebens freuen, das Gott mir geschenkt hat.

Ich selbst bin im Urlaub gern mit dem Fahrrad unterwegs: Ein Rad braucht eine feste Achse, sonst hilft alles Strampeln nichts. Und so wünsche ich mir für den Urlaub Zeit und Muße, die Achse meines „Lebensrades“ zu spüren, sie auch neu zu entdecken- vielleicht auch bei der Einkehr und einigen stillen Minuten in einer schönen alten oder modernen Kirche …

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen
gesegnete Sommer- und Urlaubswochen. Seien Sie Gott befohlen!

Ihre Annette Charbonnier